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Halbmond

Vor grauem Tuch
die Türme rufen
noch ist der alte Mond
wie Kardamom und Myrrhe
Händler fluchen
im blauen Schatten der Sophie
das Meer mit weißen Füßen steigt
ein Schwarm von Träumen raucht
hoch auf der Kuppel
der Rufer Hilfe braucht
doch einsam sind die Worte
belauscht allein von schwarzer Sterne Bahn
Geschichten die sich selber suchen
fern im Osten
ein mit Hauch beladener Kahn
es ist nicht der Wind
der spricht
es ist der Atem
im Menschengesicht
Ohne Flügel

Ein alter Mann
steht im Regen
ohne Flügel
sein tönernes Haupt
der Kunst
aus bewegenden Farben
geht in den Mietskasernen
ein und unter
er sammelt Schmetterlinge und Muschelschimmern
Stahlblecharien und bleiche Bücher
seine Bilder malt er mit Pinselköpfen aus Zufallsdenken im Zirkuslicht
und friert in seinem nassen Kittel
bis in die Nierenkelche
keiner schürt das Feuer unter der Suppe aus Wolkengefieder
und keiner trinkt aus dem Transfusionsbesteck
und keiner sieht den braunen Hügel voller Armut
nur einen alten Mann
der da steht im Regen
aus Kunst
ohne Flügel
Wenn tausend Muscheln denken

Die See entrinnt nicht den Gezeiten
und Türme voller Licht
brechen seit langen Zeiten
der Dunkelheit Gesicht
im Sand der fahlen Küsten
der Mond scheint hell und grau
ein Wurm baut seine Burgen
und Wellen zwanghaft trinken
den zähen Schaum der Nacht
sie wissen ganz genau
wie es morgens klingt
wenn tausend Muscheln denken